WELCHE MEDIKAMENTE GEGEN AKUTE VERSTOPFUNG GIBT ES?

Das Ziel der Therapie einer akuten Verstopfung ist es, diese zu lösen und den angestauten Stuhl auszuscheiden. Bei Kindern geht es aber auch darum zu verhindern, dass sie schmerzhafte Erfahrungen mit dem Stuhlgang machen und so aus einer akuten Verstopfung eine chronische Verstopfung wird.

Welche Medikamente bzw. Wirkstoffe stehen dafür zur Verfügung?

Macrogol

Macrogol (3350 bzw. 4000) ist mit Abstand das Mittel der ersten Wahl. Sowohl bei der Therapie einer akuten Verstopfung bei Kindern, als auch bei einer Chronischen. Es bindet Wasser, das im Nahrungsbrei vorhanden ist, hält es im Darm fest und macht den Stuhl somit weicher. Es erhöht gleichzeitig das Stuhlvolumen, regt dadurch die Darmtätigkeit an und wirkt abführend (laxierend). Es kann aufgrund seiner Molekülgröße weder über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen, noch abgebaut werden. Es wird also unverändert mit dem Stuhl wieder ausgeschieden.  x

Bild: Comic eines Mädchens mit Sprechblase. In der Sprechblase befindet sich ein Rufzeichen. Achtung!

„Bei jeder akuten Verstopfung muss man rasch für eine unproblematische, schmerzfreie Entleerung sorgen. Dies funktioniert am besten mit oralen Stuhlweichmachern. Macrogolpräparate sind das Mittel der Wahl“ (Claßen, 2017)

Lactulose

Obwohl Lactulose bei Kindern häu­fig verschrieben wird, gibt es wenig Evidenz über die Wirksamkeit und sie zeigt sich in Studien deutlich weniger wirksam als Macrogol. Sie wird als Mittel der zweiten Wahl empfohlen, wenn Macrogol nicht verfügbar ist (Tabbers et al., 2014). Lactulose ist also nicht das Mittel der ersten Wahl in der modernen Therapie der chronischen Verstopfung bei Kindern. x

Zäpfchen und Klistiere

Es gibt verschiedene Zäpfchen (z.B. Kümmel-Zäpfchen, Glycerin-Zäpfchen) und Klistieren (z.B. Microlax, Microklist, Babylax, etc), die vor allem bei Babys und Kleinkindern oft in erster Instanz empfohlen werden, um eine akute Verstopfung zu lösen. x

Bild: Comic eines Mädchens mit Sprechblase. In der Sprechblase befindet sich ein Rufzeichen. Achtung!

ACHTUNG

Zäpfchen, Einläufe und Klistiere sind in dem meisten Fällen nicht notwendig! Diese traumatisieren die Kinder oft zusätzlich und verschlimmern das Problem meist mehr, als sie helfen. Viele Kinder sind aufgrund von rektal angewendeten Medikamenten enorm traumatisiert.

Wenn du deinem Kind unbedingt eines der oben genannten Dinge verabreichen möchtest, dann bitte tu das ausschließlich dann, wenn dein Kind ausdrücklich damit einverstanden ist. Niemals gegen den Willen deines Kindes! Zusätzlich kannst du im Vorfeld eine sogenannte „Betäubungscreme“ (z.B. EMLA, Lidocain) auf den Anus auftragen. Bitte lass dich diesbezüglich von deinem Arzt oder Apotheker beraten.